Interview mit Victor Schmid, TC Weinheim
Er zählte jahrelang zu den größten Tennistalenten Deutschlands, stand am Beginn einer vielversprechenden Profikarriere. Dann stoppte eine Knieverletzung den damals knapp 20jährigen Victor Schmid. Wie er damit umgeht und welchen Rat er für ambitionierte Jugendliche parat hat, das erzählte er im Rahmen des „ROMA-Cup.
GZ: Wie und in welchem Alter kamst du zum Tennis?
Schmid: In meiner Familie spielt Tennis eine große Rolle, auch für meine beiden Brüder. Ich habe mit vier Jahren angefangen, mich später nach Abstechern zum Fußball und Basketball endgültig für Tennis entschieden.
GZ: Es ging dann steil bergauf, was waren deine größten Erfolge?
Schmid: Zwischen 12 und 18 zählte ich immer zu den besten Fünf in Deutschland und gehörte zur Daviscup-Auswahl der Junioren. Platz drei mit der Mannschaft in Europa, das hatte schon was. Mit 14 war ich in der Altersklasse U 16 die Nummer 18 der Europa-Rangliste.
GZ: Was hat dich auf dem Weg zum Tennisprofi gestoppt?
Schmid: Mit 19 hatte ich immer wieder Beschwerden im rechten Knie. Die Schmerzen wurden dann ausgerechnet bei einem Auslandsaufenthalt so stark, dass ich kaum noch gehen konnte. Wieder zuhause, wurde ein Knorpelschaden diagnostiziert und ich musste operiert werden. Das war’s dann mit der Profikarriere.
GZ: Das war doch eine große Enttäuschung. Wie bist du damit umgegangen?
Schmid: Auch nach den entsprechenden Reha-Maßnahmen gabs keine Garantie mehr für mich, Profi werden zu können. Ich musste umdenken, bin aber froh, dass ich den richtigen Schritt zurück eingeschlagen habe, nächstes Jahr mit 22 mein Abitur mache und dann studieren werde. Ich habe jetzt auch wieder Spaß am Tennis, spiele in der Regionalliga und ab und zu wie hier in Günzburg ein Turnier.
GZ: Du hast natürlich auch positive Erlebnisse gehabt, an was erinnerst du dich da spontan?
Schmid: Bei einem meiner Aufenthalte in den USA, wo ich auch mit Tommy Haas trainieren durfte, sagte Nick Bolletieri mal zu mir, ich sei ein unglaubliches Talent, ich würde aber wohl zu viele Schnitzel essen. Ich war damals mit 14 ein bisschen pummelig.
GZ: Welchen Rat würdest du abschließend einem talentierten und ambitionierten Jugendlichen geben?
Schmid: Von meiner Gruppe, die damals zusammen war, hats keiner geschafft. Trotzdem würde ich es wieder versuchen. Aber ich rate jedem, erst einmal die Schule abzuschließen und nicht nur auf die Karte Profisport zu setzen. Es kann so schnell etwas passieren.