Riesenerfolg für Vilislav Vassilev.
Beim 23. Bundeskongress des Verbandes Deutscher Tennislehrer (VDT) und des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) wurden er und sein Trainerteam in München als Tennisschule des Jahres 2009 ausgezeichnet. Mit erst 37 Jahren 80 Konkurrenten aus ganz Deutschland auszustechen und eine derart herausragende Ehrung zu bekommen, das fällt aus dem Rahmen. Grund genug, mit Vassilev ein Interview zu führen.
GZ: Herr Vassilev, sie verließen 1994, also im „zarten Alter“ von 22 Jahren, ihr Heimatland Bulgarien mit Nichts als Ihrer Ausbildung zum Tennislehrer im Gepäck. Was waren Ihre Beweggründe, nach Deutschland zu gehen?
Vassilev: „Schon während meines Studiums reifte bei mir der Entschluss, später ins Ausland zu gehen. Dabei war Deutschland meine erste Adresse. Dort hatte ich schon zu meiner aktiven Zeit Turniere gespielt und mich dabei sehr wohl gefühlt. Für meine berufliche Laufbahn schien mir das die beste Perspektive zu sein. Wenn du hier gut arbeitest, dich fortbildest, stehen dir alle Türen offen. Ich fühle mich hier sehr wohl.“
GZ: Eine Ehrung wie Sie sie Ihnen jetzt zuteil wurde, bekommt man gewöhnlich für ein Lebenswerk, zumindest aber eigentlich erst nach langjähriger Tätigkeit. Waren Sie nicht überrascht, diese Auszeichnung jetzt schon zu bekommen und welche Kriterien mussten Sie erfüllen?
Vassilev: „Um in die engere Auswahl zu kommen genügt es nicht, nur Tennislehrer zu sein. Eine Ausbildung zum Sportmanager ist ebenso nötig. Weitere Bedingung ist eine fünfjährige hauptbe-rufliche Tätigkeit. Ständige Fortbildungen, um sich auf den neuesten Stand der Trainingslehre zu bringen, über alle mög-lichen Hilfsmittel zu verfügen und damit zu arbeiten, ist selbstverständliche Voraussetzung. Dass ich als jüngster Inhaber einer Tennisschule diese Auszeichnung erhalten habe, daran hat natürlich auch mein hochmotiviertes Trainerteam großen Anteil.“
GZ: Sie haben geheiratet, sind mit Ihrer Frau nach den Anfängen in Bäumenheim in Günzburg sesshaft geworden, haben die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Ihre beiden Söhne Dennis und Mark sind hier geboren. Die Familie ist also der große Rückhalt?
Vassilev: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Das ist nicht nur so dahingesagt, meine Frau Billi strahlt die nötige Ruhe aus, um mich runterzuholen, wenn ich mal zu emotional reagiere. Sie unterstützt mich in jeder Hinsicht. Wir sind seit 20 Jahren zusammen, haben mittlereile zwei „wilde Kerle“, die natürlich beide Tennis spielen.“
GZ: Der TC Günzburg ging mit Ihrer Verpflichtung als Inhaber einer selbständigen Tennisschule neue Wege und ist mit dieser Entscheidung gut gefahren. Das entsprechende Vertragswerk, das Ihnen die Nutzung der vereinseigenen Anlage zusichert, gab Ihnen die nötige Bewegungsfreiheit, sich zu entwickeln?
Vassilev: „ Ich bin stolz darauf, dass ich bei einem der größten und ganz sicher auch am besten geführten schwäbischen Tennisvereine eine Basis gefunden habe, auf der in konstruktiver Zusammenarbeit die erfolgreiche Weiterentwicklung meiner Tennisschule erst möglich wurde. Dafür danke ich den jeweiligen Vorständen, bei denen ich eigentlich immer ein offenes Ohr fand. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir ein sehr starkes Team sind.“
GZ: Die Anzahl der Teams, die der TCG jeweils für den Spielbetrieb meldet - heuer ist mit 31 eine neue Rekordmarke erreicht - stieg in den zehn Jahren Ihres Engagements in Günzburg um 100 Prozent. Ist damit das Potenzial ausgereizt?
Vassilev: „Andere Vereine bekamen in den vergangenen Jahren immer mehr Probleme, Menschen für Tennis zu begeistern. Bei uns lebt dieser Sport. Mit meiner Tennisschule betreue ich rund 180 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aller Spielstärken. Nach 16 Jahren Erfahrung glaube ich den Mittelweg gefunden zu haben, die Betreuung und Förderung so zu handhaben, dass alle Spaß daran haben und trotzdem viel dazulernen. Wir haben eine Brücke zwischen Breiten- und Leistungssport gebaut, die mit viel Leidenschaft und Qualität errichtet ist.“
GZ: Quantität, wie sie die 17 Jugendteams deutlich macht, die vom TCG für die neue Saison gemeldet wurden, ist nicht alles. Wie kann die Qualität gesteigert werden, um höherklassigen Teams geeigneten Nachwuchs zuzuführen?
Vassilev: „Ständig neue Reize setzen und Perspektiven anbieten, sind die Eckpfeiler einer funktionierenden Nachwuchsarbeit. Die Auszeichnung ist für mich Ansporn und Verpflichtung zugleich, den eingeschlagenen Wege erfolgversprechend fortzusetzen. Ambitionierte Talente bekommen eine Plattform geboten, sich leistungsorientiert weiterzuentwickeln, auch weil ich seit drei Jahren vom Verband als Stützpunkttrainer eingesetzt werde.“
GZ: Sie arbeiten inzwischen noch mit anderen Vereinen zusammen, setzen dabei eine ganze Reihe von Trainern mit unterschiedlicher Qualifikation ein. Sehen Sie noch Entwicklungsmöglichkeiten für Tennis?
Vassilev: „ Neben der Tatsache, Tennis in dieser Region für junge Menschen attraktiv zu machen, liegt es mir ganz besonders am Herzen, einige von ihnen für die Ausbildung zum Trainer zu begeistern. Das starke, bestens ausgebildete Team der Tennisschule „Willi“ ist mit viel Engagement bei der Sache. Mittlerweile nicht nur in Günzburg, sondern auch beim TC Bühl,
TC Pfaffenhofen und TC Ay-Senden. Dabei kommt zum normlen Übungsprogramm eine Rundumbetreuung für begeisterte Tennisspieler bei zahlreichen Aktionen wie Turnieren, Freundschaftsspielen, Camps im In-und Ausland und gemeinsamen Ausflügen zu internationalen Events. Die Kooperation mit Kindergärten und Schulen bietet zudem die Möglichkeit, dem Tennissport junge Menschen zuzuführen.“
GZ: Danke für das Gespräch.